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Duty free Whisky
Whisky Galore!
Die Zeit fliegt – allerdings selten so quälend langsam wie an Flughäfen. Kaum hat man die Strapazen der Expedition zum Baggage-drop-off, inklusive der Martern am Touchscreen des E-Check-ins (Sie haben doch sicherlich ihre E-Bordkarte zuhause ausgedruckt?), die von freundlichem Fachpersonal zumeist erfolgreich gelindert werden gemeistert, die Leibesvisitation ohne Beanstandung absolviert, tritt man ein ins Reich des Prä-Luftfahrt-Müßiggangs. Bis zum Boarding, dessen einmal ausgewiesener Zeitpunkt konsequent nach hinten verschoben wird, sind es gut und gerne noch eineinhalb Stunden. Sollten jetzt noch – kaum vorstellbar! –die Fluglotsen streiken, das moderne Terminal ihrer Wahl getreu dem Modell London-Heathrow T5 einen Rückfall ins Chaos erleben oder Islands Naturschönheit Eyjafjallajökull gar den europäischen Luftraum großzügig mit Aschegaben bedenken, dann, ja dann führen alle Wege in die Oasen gehobenen Konsums. Was sich einstmals so bürokratisch wie romantisch Duty free nannte, heißt heute Travel value, geblieben ist ein animierendes Sortiment von zum Teil mehr als preiswerten Waren, die allemal die Beschwerlichkeiten des Wegs bis dort hin lindern helfen und das Reiseziel, so fern es auch noch sein mag, in tröstliche Nähe rücken. Besonders wohltuend ist der Blick in die Whiskyregale: Neben liebgewonnenen alten Bekannten finden sich immer wieder neue Köstlichkeiten, die es zu entdecken gilt, häufig tatsächlich nur auf dem Flughafenareal – die magische Formel heißt Travel Retail Exclusive. Drei dieser dem mehr oder weniger geplagten Reisenden vorbehaltenen Abfüllungen haben sich als erfreulichste Gründe erwiesen, den Boden gar nicht so schnell verlassen zu wollen. Glenmorangie Sonnalta PX, 46 Vol.-% [ca. 52 €/0,7 l] Der »Sonnalta«, gälisch für »großzügig«, »reichlich«, ist Teil der »Private Collection« und ein gelungenes Beispiel für die Experimentierfreude des Spiritus rector (Head of Distilling and Whisky Creation) bei Glenmorangie Dr. Bill Lumsden. Seit längerer Zeit widmet man sich bei Glenmorangie dem sogenannten Finishing, der Reifung des Whiskys in Fässern unterschiedlichster Provenienz um so dem Whisky, je nach vormaliger Befüllung mit unterschiedlichsten Spirituosen (Bourbon, Portwein, Madeira, Bordeux, etc.) zu einem erweiterten Aromenspektrum, zu mehr Tiefe und Komplexität zu verhelfen. Das »PX« im Namen bezeichnet die Reifung in Pedro-Ximénez-Fässern, die diesem Whisky zu seinem ungewöhnlich konturierten Profil verhelfen. Der fast aprikosenfarbene Sonnalta duftet, wie kaum anders zu erwarten, üppig nach Sherry, dazu tüchtige Noten von Vanille-Butterkaramell und schokolierten Kaffebohnen, plötzlich körbeweise Orangen nebst Zesten, etwas Banane, Feigen, noch mehr PX-Rosinen, dahinter, man glaubt es kaum, Himbeeren und Johannisbeeren. Am Gaumen treffen Malz und Sherry kraftvoll aufeinander, Kaffelikör, Kakao, leise Ledernoten und weißer Pfeffer stabilisieren die Harmonie, das Finish ist lang, sehr lang, in Wellen Zitrus- bzw. Tropenfrucht und Mousse-au-Chocolat-Mocca-Praliné, edelsüße Pedro- Ximénez-Trauben wie Rauchzeichen am Geschmackshorizont. Ist das noch Whisky? Aber ja, unbedingt! Highland Park 1990 Vintage, 40 vol.-% [ca. 99 €/0,7 l] Highland Park, die nördlichste aller Whiskybrennereien Schottlands, erneuert mit der Vintage Edition ihre »Reisewhiskys« zum wiederholten Mal in nicht allzu langer Zeit. 1998, 1994, 1990 und 1973 sind die neuen (alten) Jahrgänge von den Orkneys, die ihren Weg in den quasi zollfreien Handel gefunden haben. Allesamt sind sie – wie von Highland Park gewohnt – von hoher Qualität, allerdings dürften stolze 750 Euro für den 1973er das Reisebudget in den meisten Fällen empfindlich strapazieren, so dass die Entscheidung für den in Fässern aus amerikanischer Eiche gereiften 20-jährigen umso leichter fällt. Diese Abfüllung soll den ehemals 21-jährigen Vorgänger ersetzen – sie macht das verblüffend gut. Im Glas helles Gold mit kupferfarbenen Reflexen, in der Nase klassisch Highland Park: zart honigsüße, aber distinkte Rauchnote, sehr schlank, dann »grüne« Kräuternuancen (etwas Thymian), eine Prise Eukalyptus, plötzlich Leder und aus den Tiefen des Glases Fruchtnoten, fast sirupartig (Johannisbeergelée auf nicht zu Ende gebackenem Mürbteig?) – elegant, sehr komplex. Am Gaumen anfangs wieder zurückhaltend (die frühere Version des 21-jährigen war 46 Vol.-% stark – warum diese nicht auch?) dann in schnellem Wechsel Grüntee (leichte Bitternoten) und Malzsüße, Lakritz und honiggesüßte Vanilletoffees, Tabak und Veilchenbonbons: most interesting! Ein mittellanger, eher trockener Abgang mit ätherischen Rauchnoten und einer leicht mit Kardamom und Zimt gewürzten Schale Milchkaffe. Macallan, Whisky Maker’s Edition, 42,8 Vol.-% [ca. 69 Euro/1 l] Gerste von eigenen Feldern, dazu eine sorgfältige Kombination von Sherry- und Bourbonfässern – Macallans Whiskymacher Bob Dalgarno bleibt auch bei diesem Exemplar der neuen »The 1824 Collection« der Linie des Hauses treu. Im Glas fast rosenholzfarben, was vermutlich Fässern aus europäischer Eiche geschuldet ist, duftet die »Whisky Maker’s Edition« nach feiner Weihnachtsbäckerei (geröstete Haselnüsse, Walnüsse, Muskat und Zimt, Kakao, Rosinen und Orangenschale) dazu Früchtebrot, getrocknete Pflaumen und Feigen – all das findet sich in ähnlicher Dosierung am Gaumen wieder, das Früchtebrot verwandelt sich in süßeren Früchtekuchen, fast Tarte Tatin mit leichtem Bitterkaramell, um dann in ein langes, trockenes, durchaus holzbestimmtes Finish mit Schokoladen- und Trockenfruchteinsprengseln zu münden. Ausgezeichnete Balance, elegant, ja geradezu sophisticated. Text: Miguel Montfort
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