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BORDEAUX 2008 - getestet und bewertet von FEINSCHMECKER-Redakteur Ulrich Sautter
Bacchus meint es gut mit den Bordeaux-Liebhabern: Der Jahrgang 2008 ist erfreulich – dennoch sinken die Preise. Ulrich Sautter nennt die interessantesten Weine Klima und Vegetationsverlauf Das ganze Jahr 2008 über schlug das Wetter Kapriolen. Der Winter war warm, das Frühjahr kühl. Am 7. April schädigte mancherorts Frost die Reben. Die Blüte verlief Anfang Juni ungleichmäßig, Juni und Juli waren feucht. Der August begann trocken, doch Ende des Monats setzten abermals Niederschläge ein. Erst ab 14. September schien die Sonne wieder. Dabei blieb es eher kühl, und Nordostwind dämmte die Botrytis ein. Ende September begann die Lese des Merlot. Da das schöne Wetter bis auf einige Regengüsse während der ersten Oktobertage anhielt, zog sich die Lese ungewöhnlich in die Länge, auf manchen Gütern bis nach dem 20. Oktober. Jahrgangstyp und qualitative Einschätzung In der Regel sind die Weine des Jahrgangs 2008 dichter und aromatischer als die Jahrgangsvorgänger. Die qualitative Schwankungsbreite ist allerdings enorm. Denn zum einen haben die klimatischen Bedingungen lokale Ungleichgewichte geschaffen, zum anderen waren die Reifebedingungen komplex: Offensichtlich war es 2008 besonders schwer, den richtigen Lesezeitpunkt zu finden. Wer mit den Bedingungen umgehen konnte und ein wenig Glück hatte, hat keinen großen, doch einen deutlich überdurchschnittlichen Jahrgang im Keller – vor allem am rechten Ufer der Gironde. Weintypen Die maßgeblichen Eigenschaften zur Unterscheidung von Stiltypen sind dieses Jahr zum ersten die Säure (die bei den spät gelesenen Weinen oft sehr schwach ausfällt), zum zweiten weiche Empfindungen (die im Extrem mit Strukturarmut einhergehen). Alle nachfolgend besprochenen Weine werden einer von drei Gruppen zugeordnet: entweder den fest gebauten, strukturierten Weinen (A), den tendenziell eher milden, aber ausgewogenen (B) oder aber den sehr weich angelegten Weinen (C). Das Gros der Weine des Jahrgangs gehört – weil die Châteaux die Lese hinauszögerten – zum Typus C. Viele Weine dieser Kategorie sind plump und lassen Finesse vermissen. Allerdings finden sich auch in dieser Typusklasse stimmige Weine mit attraktivem Charme. Markt und Kaufempfehlung Bei ausgewählten Weinen sollte man einen Primeur-Kauf des Jahrgangs 2008 durchaus in Betracht ziehen, zumal sich die Preise deutlich bewegen. Die meisten Weine kommen momentan mit Abschlägen von 20 bis 30 Prozent auf den Preis des Vorjahres auf den Markt; bei den zuvor besonders haussierenden Premiers Crus gingen die Tarife sogar um 40 bis 50 Prozent zurück. Dennoch kosten sie immer noch 180 bis 200 Euro pro Flasche. Stil und Mineralität findet man hingegen oft schon für weniger als 20 Euro. Und da sich der Jahrgang 2008 ohenhin in der mittleren Gewichtsklasse am harmonischsten ausdrückt, sind hier die attraktivsten Angebote zu finden. Ein Glücksfall für jeden Genießer: Diese Weine werden in ihrem ausgereiften Zustand in fünf oder zehn Jahren der Harmonie viel länger gelagerter Weine aus einem großen Jahrgang nahe kommen – in letztlich kaum geringerer Qualität. --------------------- Hier geht es zur Weinkritik im Einzelnen:
Médoc und Haut-Médoc Moulis und Listrac St-Estèphe Pauillac St-Julien Margaux Pessac-Léognan und Graves rouge Pessac-Léognan und Graves blanc Sauternes und Barsac St-Émilion Pomerol Sonstige Rive droite
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