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BORDEAUX 2009 - getestet und bewertet von FEINSCHMECKER-Redakteur Ulrich Sautter
Der Jahrgang 2009 wird als der bisher größte des neuen Jahrhunderts gehandelt. Doch Vorsicht: Auch in diesem Jahr gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen.
Klima und Vegetationsverlauf Zur Blüte war das Wetter mild, und in den Monaten danach bestimmte eine gut dosierte Mischung aus Sonne und Regen die Witterung in allen Teilregionen des Bordelais. Die Reben gediehen, ohne dass ihnen Pilzkrankheiten einerseits oder Trockenstress andererseits etwas anhaben konnten. Einzig das Frühjahr war ein wenig wechselhaft verlaufen, mit einer Reihe lokaler Hagelschläge in der Zeit vom 9. bis 25. Mai. Die Rotweinerträge lagen 2009 oft zwischen 45 und 50 Hektoliter pro Hektar, also relativ hoch. Nur wo größere Hagelschäden zu verzeichnen waren, sanken sie unter 30 Hektoliter. Jahrgangs-Charakter und qualitative Einschätzung Der Jahrgang 2009 wurde schon im Herbst mit viel Vorschlusslorbeeren bedacht, während der Primeur-Woche waren die Vergleiche mit 2005 allgegenwärtig. Doch während sich der Jahrgang 2005 durch Stoff und Kernigkeit für eine sehr lange Lebensdauer qualifiziert, stehen beim 2009er die weichen Motive im Vordergrund: seidige Gerbstoffqualitäten und milder Körperreichtum. Dass sich viele Jungweine schon so verführerisch zugänglich zeigten, braucht nicht zu bedeuten, dass sie nicht ebenfalls gut reifen könnten. Doch 2009 ist vom Stil her ganz anders als 2005. Durch die hohen Alkoholgrade sind die weniger balancierten Weine spröde und plump – deutlich schwächer als die schwächeren Weine des Jahrgangs 2005. Eine weitere Eigenart der 2009er-Weine sind hohe pH-Werte, also eine verhaltene Säure. Sensorisch kommt die Säure bei vielen Weinen erst im Abgang zum Tragen und wirkt dann für einen kurzen Moment recht konzentriert. Ein säurereicher Jahrgang ist 2009 jedoch eindeutig nicht. Auch trocknende Tannine findet man öfters, verstärkt durch Gerbstoff aus dem Eichenholz, der bei hohem Alkoholgehalt besonders intensiv in den Wein ausgelaugt wird. Winzer, die in der Euphorie der Herbstsonne zu lange mit der Lese gewartet haben, finden nun gekochte Aromen in ihren Weinen oder eine ausgemergelte, flaue Frucht. Hat 2009 das Zeug zum Jahrhundertjahrgang? Eher nein, denn es fehlt an Homogenität. Allerdings stehen die besten Weine in ihrer samtigen, warmen Fülle vielleicht doch auf einem Niveau mit den besten 2005ern oder sogar leicht darüber. Schaut man auf die Regionen, dann haben die Cabernet-Gebiete tendenziell besser abgeschnitten. Wo der zur Überreife neigende Merlot dominiert, also vor allem am rechten Ufer der Gironde, ist die qualitative Streubreite besonders groß. Schwach sind 2009 die trockenen Weißweine ausgefallen, fruchtarm und mastig. Bei den Süßweinen aus Sauternes und Barsac findet man beeindruckende Beispiele mit enormem Volumen und intensivem Süße-Säure-Spiel. Die Botrytisaromen sind jedoch nur schwach ausgeprägt. Ein interessantes und wohl langlebiges Jahr, dem jedoch zur letzten Größe ein Quäntchen fehlt.
Weintypen 2009 Eines haben alle 2009er gemein: einen weichen, molligen Hintergrund. Auf dieser Grundlage lassen sich vier Typen unterscheiden, von denen drei als empfehlenswert gelten können. Die drei positiven Typen haben folgende Eigenschaften: Typ A ist samtig, mild und fruchtig. Manche dieser Weine wirken sogar ganz leicht süßlich – wobei im Einzelfall offen bleibt, ob es sich tatsächlich um einen Hauch Restsüße oder um süßliche Wahrnehmungen aufgrund des hohen Gehalts an Alkohol und Glyzerin handelt. Gärstockungen kamen im Herbst 2009 durch den hohen Zuckergehalt der Moste tatsächlich hier und dort vor. Typ B hat innerhalb des weichen Grundtons eine relativ klassische Struktur mit Stoff, Nerv, Frische und würzigen Aromen. Als dritter umfasst Typ C die besonders opulenten Weine, große Formate, deren Körper so randvoll mit Extrakt gefüllt ist, dass die Alkoholkraft gut abgepuffert ist. Kaum in Betracht kommt Typus D; er ist von Alkohol und überextrahiertem Tannin geprägt, und das bei einer schalen Frucht.
Downloads:
Bordeaux 2009 rechtes Ufer [522 KB]
Bordeaux 2009 linkes Ufer [502 KB]
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